Ventimiglia – Markt, Strände & römische Ruinen entdecken

Grenzstadt zwischen Riviera und Côte d’Azur. Markt am Freitag, Theater der Römer, Gärten über dem Meer.

Ventimiglia – Markt, Strände & römische Ruinen entdecken
Photo by Jakub Żerdzicki / Unsplash

Ventimiglia liegt am westlichen Ende Liguriens, an der Mündung der Roia, wenige Kilometer von Menton. Auf dem Hügel sitzt die mittelalterliche Altstadt. Unten, östlich des Flusses, die Neustadt mit Bahnhof, Geschäften und Strand.

Viele Gäste kommen nur für den Freitag. Der Markt ist der lauteste Grund, nicht der einzige. Östlich der Stadt liegen die Ruinen des römischen Albintimilium. Westlich, schon fast an der Grenze, die Gärten von Hanbury und die Felsen von Balzi Rossi.

Von der Schweiz aus ist Ventimiglia ein klarer Tagesausflug oder der Start in die Riviera di Ponente. Menton liegt auf der anderen Seite der Grenze. Bordighera ist der nächste ligurische Nachbarort.

Der Freitagsmarkt

Jeden Freitag ab dem frühen Morgen füllt sich die Neustadt. Stände stehen entlang der Passeggiata Cavallotti und weiter zum Fluss. Französische Einkäufer aus Menton und Nizza kreuzen sich mit Leuten aus Imperia und Sanremo. Kleidung, Schuhe, Haushalt, Stoffe. Dazwischen, vor allem an der Fussgängerbrücke über die Roia, Stände mit Käse, Wurst, Olivenöl, Gemüse.

Der Markt ist gross und laut. Er ist kein Designermarkt. Preise sind Verhandlungssache. Markenware ist oft Nachahmung. Wer gefälschte Taschen über die Grenze nach Frankreich mitnimmt, riskiert Kontrolle und Busse. Lieber lokale Dinge: Leinen, Kräuter, Olivenöl, ein Stück Focaccia zum Gehen.

Unter der Woche lohnt die Markthalle (Mercato Coperto), rund hundert Meter vom Bahnhof. Fisch, Fleisch, Obst, Gemüse, Pestos und Marmeladen. Geöffnet in der Regel montags bis samstags. Hier kaufen die Leute aus der Stadt ein, nicht die Reisebusse.

Mit dem Auto am Freitag: Parkplätze werden knapp. Der Zug ist die bessere Idee.

Römische Ruinen von Albintimilium

Bevor die heutige Stadt auf dem Hügel wuchs, lag in der Ebene von Nervia die römische Stadt Albintimilium. Sie stand an der Via Julia Augusta, der Küstenstrasse nach Gallien, und galt in der augusteischen Ordnung als letzte Stadt auf italischem Boden.

Sichtbar sind Reste der Mauern, der Thermen und vor allem das Theater. Es stammt aus dem 2. oder 3. Jahrhundert. In Ligurien ist kein römisches Theater besser erhalten. In den Thermen liegen Mosaike. Nebenan gibt es ein kleines Antiquarium mit Funden aus den Grabungen.

Die Area archeologica liegt an der Corso Genova 134, östlich der Neustadt. Vom Bahnhof sind es zu Fuss etwa zwanzig Minuten, oder eine kurze Fahrt auf der SS1 Richtung Osten. Öffnungszeiten wechseln. Vor dem Besuch auf der Seite der staatlichen Museen Liguriens nachsehen.

Wer tiefer einsteigen will: das städtische Museo Archeologico Girolamo Rossi sitzt im Forte dell'Annunziata über der Altstadt.

Giardini Hanbury am Capo Mortola

Westlich der Stadt, auf dem Vorgebirge Capo Mortola, fällt ein Hang in Terrassen zum Meer. Sir Thomas Hanbury kaufte den Palazzo Orengo 1867 und legte hier einen Garten an, der Pflanzen aus dem Mittelmeer, aus Asien, Afrika und Amerika mischt. Palmen, Agaven, Sukkulenten, Zitrus. Wege, eine Kapelle, die Villa, bei klarem Wetter der Blick auf Menton.

Der Garten gehört heute der Universität Genua. Er ist kein Stadtpark. Rechnen Sie mit einem halben bis ganzen Vormittag. Eintritt in Euro. Kasse und aktuelle Zeiten stehen auf giardinihanbury.com.

Mehr zum Ort selbst steht im eigenen Beitrag Villa Hanbury – Botanischer Garten mit Meerblick in Ligurien.

Anreise: Auto über die SS1 Richtung Frankreich, oder Zug nach Ventimiglia und weiter mit Bus oder Taxi. Zu Fuss von der Stadt ist es eine längere Strecke entlang der Küste.

Strände von Calandre bis Balzi Rossi

Die Küste vor Ventimiglia ist ligurisch: meist flache Kiesel, klares Wasser, im Sommer Lidi mit Liegen und Schirm. Badeschuhe helfen. Freie Zugänge gibt es zwischen den Strandclubs.

Le Calandre, westlich der Altstadt, ist der sandigste Abschnitt und der praktischste zum Schwimmen. Weiter westlich, schon unter den roten Felsen an der Grenze, liegen schmalere Buchten: Balzi Rossi, Darsenún. Darüber die Grotten und das Museo preistorico dei Balzi Rossi, eine der wichtigen paläolithischen Fundstellen Europas. Thomas Hanbury liess 1898 das erste Museumsgebäude finanzieren.

Im Hochsommer wird es voll, vor allem am Wochenende. Wer Ruhe will, kommt unter der Woche oder im Juni und September. Das Wasser bleibt lange badetauglich.

Die Altstadt auf dem Hügel

Ventimiglia Alta liegt westlich der Roia. Eng, hoch, bewohnt. Keine Kulisse. Die Kathedrale Santa Maria Assunta hat ein romanisches Portal von 1222 und daneben ein achteckiges Baptisterium. Von den Mauern sieht man den Strand, die Neustadt und bei klarem Föhn die französische Küste.

Abends ist es hier ruhiger als unten am Markt. Ein Aperitivo, ein Teller Pasta, der Weg zurück über die Brücke.

Essen und Anreise aus der Schweiz

Die Küche ist ligurisch, mit einem französischen Nachbarn vor der Tür. Pesto auf Trofie oder Trenette. Farinata aus dem Ofen. Focaccia. Sardenaira, der lokale, tomatenbelegte Fladen, näher an Menton als an Neapel. Fisch vom Grill. Dazu ein Glas Pigato oder Rossese di Dolceacqua.

Bezahlen Sie in Euro. Der Freitagsmarkt ist spürbar günstiger als Menton. Keine CHF-Kasse. Wer grob umrechnen will: Preise wie in Italien, nicht wie an der Côte d'Azur.

Anreise

Mit dem Zug: Ventimiglia ist Endpunkt der italienischen Küstenstrecke und Anschluss an die TER-Züge nach Menton, Monaco und Nizza. Aus der Deutschschweiz typisch über Mailand und Genua. Aus der Westschweiz oft schneller über Nizza. Rückfahrkarten für die französische Strecke besser schon in Frankreich lösen. Die Automaten in Ventimiglia sind oft überlastet.

Mit dem Auto: Autostrada dei Fiori (A10), Ausfahrt Ventimiglia. Aus der Schweiz über den Gotthard oder den San Bernardino, dann die ligurische Küstenautobahn. Am Freitag in der Stadt nicht auf einen Parkplatz hoffen.

Nächster Flughafen: Nizza (NCE), mit Zug weiter. Genua ist die italienische Alternative.

Wann

April bis Juni und September, Oktober. Der Markt läuft das ganze Jahr. Hanbury und die Ruinen sind ausser an Ruhezeiten der Museen fast immer einen Halt wert. Juli und August sind heiss und voll.

Ventimiglia ist keine zweite Cinque Terre. Es ist eine Grenzstadt mit Markt, Römerresten, einem Weltgarten und einer Küste aus Stein und etwas Sand. Wer den Freitag mit einem der anderen drei verbindet, hat den Ort verstanden.